Intern
    Übergang Förderschule Beruf

    Forschungsgrundlagen

    Die wissenschaftliche Begleitung knüpfte im Hinblick auf zu formulierende Fragestellungen, Datenerhebungen, Analysen, Auswertungen und Interpretationen an der empirischen Sozialforschung, speziell an den Grundlagen der Handlungsforschung an. Diese Ausrichtung wurde durch das Konzept der Evaluationsforschung (vgl. Stockmann 2010) ergänzt.

    Im Sinne einer begleitendenden Evaluationsforschung sollten während der Implementierungs- bzw. Durchführungsphase von „Übergang Förderschule-Beruf“ durch die Anwendung von Forschungsmethoden Aussagen über Durchführungsprozesse, zur Projektkonzeption sowie -verlauf und zu Ergebnissen getroffen werden, um Entscheidungshilfen für die Durchführung, mögliche Korrekturvorschläge und Aussagen zur Wirksamkeit zu ermöglichen (vgl. Stockmann 2010, 76). Wichtig erschien es hier, sowohl beabsichtigte als auch unbeabsichtigte, nicht intendierte Wirkungen zu benennen (vgl. ebd. 69f). Durch die wissenschaftliche Begleitung von „Übergang Förderschule-Beruf“ sollte somit in Zusammenarbeit mit dem ZBFS und dem ISB die Reflexion der praktischen Arbeit gewährleistet werden. Daneben kann zum Abschluss der wissenschaftlichen Begleitung ein zusammenfassendes Urteil abgegeben werden, um eine Entscheidung nahe zu legen in Bezug darauf, ob z. B. eine Maßnahme erfolgreich ist und weitergeführt werden sollte oder nicht (vgl. Bortz 2003, 98).

    Handlungsforschung will desweiteren durch gewonnene Ergebnisse und Analysen auch im konkreten pädagogischen Feld einwirken und ist um praxisverändernde Impulse bemüht. Ziel der Handlungsforschung sowie gleichzeitig ein zentrales Gütekriterium ist die Produktion ´ökologisch valider´  Aussagen und Ergebnisse, die „der Praxis nicht gleichgültig sind, für die Praktiker nicht bedeutungslos bleiben“ (Markowetz 2009, 297). 

    Aufgabenbereiche der wissenschaftlichen Begleitung

    Aufdeckung von Realitätshaltigkeit kann aufgrund der komplexen systemisch vorgefundenen Wirklichkeit nur gelingen, indem  durch die Anwendung verschiedener methodischer Zugänge die „Wissenschaftlichkeit, Güte, und Geltung der Vorgehensweisen und Ergebnisse der Sozialforschung strategisch“ (ebd. 295) gesichert werden. Die Erhebung der Perspektiven verschiedener, zentraler Beteiligter (Teilnehmer, Lehrkraft, IFD) ermöglicht die Aufdeckung unterschiedlicher Sichtweisen zum gleichen Forschungsaspekt. Diese methodische Erfordernis weist auf das Konzept der Triangulation hin.

    Im Rahmen der dreijährigen Laufzeit wurden daher unterschiedliche, aber miteinander  in Verbindung stehende Teilaufgaben wahrgenommen:

    • Durchführung wissenschaftlicher Erhebungen (mit einer quantitativen wie auch qualitativen Ausrichtung), die zum einen Aussagen zur Konzeption von  „Übergang Förderschule-Beruf“, zum anderen aber auch die Bearbeitung der Fragestellung nach hinderlichen und förderlichen Faktoren für einen Übergang direkt aus der Förderschule in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarktes ermöglichten.
    • Die Übernahme von Beratungs- und Unterstützungsaktivitäten, die einen Beitrag entweder für die direkt Beteiligten an „Übergang Förderschule-Beruf“ (sowohl im Feld als auch für die Koordinatoren), aber auch für andere pädagogische Fachkräfte im Bereich der beruflichen Bildung liefern konnten.

    Komplexität des Forschungsgegenstandes

    Um Aussagen in Bezug auf die Konzeption von „Übergang Förderschule-Beruf“, aber auch im Hinblick auf übergreifende Wirkfaktoren von Schulabgängern zum Übergang aus der Schule in den allgemeinen Arbeitsmarkt machen zu können, mussten möglichst viele und differenzierte Informationen über die teilnehmenden Schüler und weitere Wirkfaktoren (IFD, Lehrkraft/Schule, Eltern, Betriebe etc.) gesammelt werden.

    Damit stand die  wissenschaftlichen Begleitung  vor der Frage, wie die vorgefundene Komplexität sozialer Wirklichkeiten von Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung im Rahmen ihrer beruflichen Qualifikation und Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt angemessen erforscht und zur Darstellung gebracht werden konnte. Konkret ging es darum, die analysierten und herausgestellten sozialen Phänomene so zu vereinfachen (und dabei möglichst wenig zu reduzieren oder zu simplifizieren), dass sie in Forschungspragmatik übersetzt und untersucht werden konnten.

    Die Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden im Forschungsdesign bot sich an, weil hier beispielsweise standardisierte Erhebungen durch Fragebögen dazu dienen können, weitere Forschungsfragen und Teilaspekte zu generieren und die Beobachterperspektive auf bestimmte Problematiken zu lenken, welchen mittels qualitativer Methoden nachgegangen wird und die so differenzierter expliziert werden. Ziel war es, durch verschiedene Forschungsmethoden in „möglichst optimaler Weise einen mehrperspektivischen Zugang zur sozialen Wirklichkeit (…) [zu] schaffen“  (Markowetz 2009, 287) und somit stand nicht die Darstellung lediglich von Übereinstimmungen im Vordergrund, sondern „die Produktion von mehrperspektivischen, disparaten Ergebnissen, die Stärken und Schwächen der jeweiligen Analysewege aufzeigen [und] wechselseitig aufeinander bezogene Diskussionen zulassen“ (ebd., 296).

    Um einen Zugang zur komplexen Wirklichkeit zu bekommen, war für die wissenschaftliche Begleitung eine Mischung aus quantitativen und qualitativen Methoden erforderlich:

    • Explorationsgespräche während der kompletten Laufzeit
    • Dokumentenanalyse
    • Quantitative Erhebungen: Fragebögen (statistische Auswertung)
    • Qualitative Erhebungen: Befragungen mit Leitfäden (inhaltsanalytische Auswertung).

    Eine detaillierte Auflistung aller durchgeführten Untersuchungen sowie der gewonnnene Daten findet sich links im Menü.

    Evaluation der Konzeption sowie Beurteilung der Maßnahme

    • Unter welchen äußeren Rahmenbedingungen wurde das Projekt „Übergang Förderschule-Beruf“ durchgeführt? 
    • Wie beurteilen die betroffenen Schüler und die in das Projekt einbezogene Mitarbeiter (Lehrkräfte, IFD-Berater) Verlauf und Erfolg der Qualifizierung während der Vorbereitung und nach dem Übergang der Schüler auf den allgemeinen Arbeitsmarkt? 
    • Einen zentralen Stellenwert nehmen die Teilnehmer von „Übergang Förderschule-Beruf“ ein, zu denen eine Reihe von Fragestellungen  interessant erscheinen: Welche Schüler mit welchen Ausgangslagen wurden zu Projektteilnehmern, d.h. aufgrund welcher Kriterien kam es zu einer Auswahl der Schüler durch die Lehrkraft bzw. den IFD? Welche Motive nennen die Schüler selbst für eine Teilnahme? Welche Ausgangslagen bringen die Teilnehmer mit? Inwieweit kann bereits vor Projektteilnahme eine berufliche Orientierung der Teilnehmer eingeschätzt  werden, und inwiefern gelingt es, diese im Rahmen von „Übergang Förderschule-Beruf“ zu erreichen? Welche Ängste und Vorbehalte sind bei den Teilnehmern selbst sowie bei deren sozialen Umfeld  zu wahrzunehmen?? Welche Unterstützung erhalten die Teilnehmer vor Ort bereits  zum einen durch das soziale Umfeld  und vor allem  durch den IFD? 
    • Die durch „Übergang Förderschule-Beruf“ erzielten Ergebnisse bilden eine wesentliche Grundlage  zur Bewertung der Konzeption, wobei hier mehrere Blickwinkel in die Beurteilung mit eingehen müssen.

      • Hier erfolgt eine quantitative Analyse der Vermittlungsergebnisse sowie des Verbleibs auch die anderen Teilnehmer.
      • Aus pädagogischer Sicht müssen allerdings auch qualitative Ergebnisse  Berücksichtigung finden. Daher werden Äußerungen der IFD-Berater sowie der Teilnehmer aufgenommen und erörtert zur Frage: Welche Auswirkungen lassen sich durch die Teilnahme an „Übergang Förderschule-Beruf“ bei den Teilnehmern feststellen?
      • Es werden Aspekte der Genderthematik in mehrere Richtungen analysiert: sowohl bezogen auf die Geschlechterverteilung der Teilnehmer an „Übergang Förderschule-Beruf“ wie auch im Hinblick auf erreichte Vermittlungszahlen von männlichen vs. weiblichen Teilnehmern sowie auf mögliche Gründe, die die Vermittlung von Frauen erschweren könnten.

    Einblicke

    • Entstandene Arbeitsverhältnisse werden näher analysiert. So wurden eine Reihe von Daten erhoben zu Teilnehmern, denen im September 2009 der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt gelungen war (N = 28). Unter Bezugnahme auf das Konzept der Lebensqualität waren dies neben objektiven Daten (z.B. statistische Angaben Tätigkeitsbereiche, Konditionen des Arbeitsvertrags, Einkommensverteilung) auch Aussagen der Integrationsberater sowie die subjektiven Einschätzungen der vermittelten Personen selbst (z.B. zur sozialen Integration im Betrieb).
    • Zu allen interviewten Teilnehmern wurden unter Rückgriff auf weitere vorliegende personenbezogene Daten Teilnehmerportraits verfasst, die auf deskriptiver Ebene Einblicke in Verläufe gewähren sollen. Im diesem Berichtsteil werden exemplarisch zehn Portraits vorgestellt, die verschiedene Facetten beleuchten sollen.

    Wirkfaktoren

    Darüber wurde als Ziel verfolgt und erforscht, welche Wirkfaktoren eine Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützten bzw. erschweren, d.h. welche förderlichen und hinderlichen Bedingungen eine Beschäftigung von Schulabgängern aus dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung bzw. Menschen mit geistiger Behinderung in regulären Betrieben beeinflussen können.

    Der wissenschaftlichen Begleitung geht es in ihrer Arbeit vor allem um eine systemische Sichtweise auf mögliche Wirkfaktoren (sowie deren Vernetzungsstrukturen). Diese Perspektive steht in einem engen Zusammenhang mit den personbezogenen und Umweltfaktoren der ‚International Classification of Functioning, Disability and Health -ICF’ (vgl. DIMDI 2005; Fischer 2003), die die Aktivität und Partizipation der Person im Rahmen beruflicher Teilhabe beeinflussen können. Wie auch die ICF wählt die wissenschaftliche Begleitung das Partizipationskonzept als zentralen Ansatzpunkt ihrer Analyse. Damit wird nachhaltig anerkannt, dass die erschwerte Partizipation am Leben der Gesellschaft (hier im beruflichen Kontext), die ‚eigentliche Behinderung’ darstellt und zum zentralen Anknüpfungspunkt der Hilfen zur beruflichen Integration werden muss.

    Literatur

    Bortz, Jürgen/Döring, Nicola (2003): Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. 4., überarb. Aufl., Nachdr. Heidelberg: Springer.

    DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) (Hrsg.) (2005): Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit. Verfügbar unter: www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icf/endfassung/icf_endfassung-2005-10-01.pdf, abgerufen am 16.09.2010.  

    Fischer, Erhard (2003): Geistige Behinderung im Kontext der ICF - ein interdisziplinäres, mehrdimensionales Modell? In: Erhard Fischer (Hg.): Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung. Sichtweisen - Theorien - aktuelle Herausforderungen. Oberhausen: Athena, 296–324.

    Markowetz, Reinhard (2009): Handlungsforschung als komplexe Methode und qualitatives Design zur Lösung sozialer Probleme von Menschen mit geistiger Behinderung. In: Janz, Frauke/Terfloth, Karin: Empirische Forschung im Kontext geistiger Behinderung. Heidelberg: Winter, 279-304.Stockmann,

    Reinhard/Meyer, Wolfgang (2010): Evaluation. Eine Einführung. Opladen/ Bloomfield Hills: Verlag Barbara Budrich.

    Kontakt

    Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV - Pädagogik bei Geistiger Behinderung
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