Menschen mit Behinderungen sind überproportional vom allgemeinen Arbeitsmarkt ausgegrenzt

Besonderer Handlungsbedarf wird im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gesehen, wo ein Automatismus zum Übertritt in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) vermutet werden kann. Erfahrungen aus einzelnen lokalen Initiativen zeigen, dass mehr Jugendliche eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt finden können, wenn sie intensiv vorbereitet und begleitet werden.

Auch in Bayern soll nun durch das Projekt „Übergang Förderschule-Beruf“, das von der Universität Würzburg wissenschaftlich begleitet wird, ein Beitrag zur Vermittlung von Menschen mit geistiger Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt geleistet werden.

Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

Seit dem 1. Juli 2001 fasst das Sozialgesetzbuch IX wesentliche Regelungen für Menschen mit Behinderung zusammen. Verantwortlich für das Gesetz ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das auf seiner Seite Teilhabe behinderter Menschen ausführlich über die mit dem SGB IX angestrebten Ziele informiert. Diese sind insbesondere die Förderung der Selbstbestimmung und gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sowie die Vermeidung von Benachteiligungen.

Zielgruppe des Projekts

Das Projekt richtet sich an Schüler der Berufsschulstufe von Förderzentren, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die

  • entweder bereits als schwerbehindert anerkannt sind oder die Anerkennung anstreben;
  • grundsätzlich die Zugangsvoraussetzungen für den Eintritt in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) erfüllen, jedoch Potenzial erkennen lassen, das bei individualisierter, ambulanter und personalintensiver, fachdienstlicher (psychosozialer und arbeitspädagogischer) Betreuung und passendem Arbeitsplatz ein Arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt ermöglicht;
  • auf Grund ihrer Behinderung beim Übergang von Schule in das Erwerbsleben einer besonderen fachlichen Unterstützung bedürfen;
  • eine entsprechende Motivierung bzw. Motivierungswillen erkennen lassen.

Leitgedanken

  • Individuelle Förderung und Unterstützung von Schülern bei der Vorbereitung auf Arbeit und Berufswahl

  • Stärkung der Selbstbestimmung der Schüler

  • Vermittlung von Kompetenzen für das Berufsleben

  • Einsatz betriebsnaher Maßnahmen zur beruflichen Orientierung

Ziele des Projekts

Vorbereitung von Schülern der Berufschulstufe von Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung auf nachschulische Arbeitswelten und Konzeption von Alternativen zur WfbM.

Grundlegendes Ziel ist, die Anzahl derjenigen Schulabgänger, die bisher in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) eingetreten sind, zu verringern. Ein möglicher Automatismus Schule - WfbM soll unterbrochen werden. Dadurch werden die Handlungsmöglichkeiten der Schüler nach Abschluss der Förderschule erweitert. Dies soll durch die Realisierung folgender Ziele gelingen:

  • Vorbereitung von Schülern auf nachschulische Arbeitswelten und Konzeption von Alternativen zur WfbM;

  • Eröffnung von Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt über eine intensive Vorbereitung und Betreuung durch Mitarbeiter von Integrationsfachdiensten (IFD), die eine gezielte Integration in Betriebe durch individuelle Unterstützung beim Berufseinstieg ermöglichen;

  • Weiterentwicklung der Berufsschulstufe über die Einbeziehung von Kompetenzen der IFD.

Durch hohes Engagement der beteiligten bayerischen Ministerien StMAS, StMUK,  und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit konnte 2009 durch einen Kooperationsvertrag eine Überführung des Projekts in eine Gesamtmaßnahme unter Einbezug der zwei Regelinstrumente „Erweiterte vertiefte Berufsorientierung“ (evBO) (§ 421q AGB III) und Unterstützte Beschäftigung (UB) (§38a, SGB IX) erreicht werden. Die Durchführung ist zum momentanen Zeitpunkt für drei Durchgänge (Zuweisungen 2009, 2010, 2011) gesichert.

Übergang in eine Gesamtmaßnahme

Neu ist, dass im Unterschied zum kontinuierlichen Verlauf im Projekt nun zwei grund­sätzlich getrennte Maßnahmen bestehen. Beide Instrumente sind dennoch im Zusammenhang zu sehen und konzeptionell wie auch im konkreten Ablauf eng aufeinander bezogen.

Momentan wird von Vertretern der Integrationsfachdienste, Schulen und der wissenschaftlichen Begleitung ein Leitfaden für die Gesamtmaßnahme „Übergang Förderschule, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“ erarbeitet, in dem die einzelnen Phasen und ihre Inhalte näher vorgestellt werden. Mit dem Leitfaden ist voraussichtlich Mitte des Jahres zu rechnen.

Leitfaden und Materialienpool

Es wurde in Zusammenarbeit vom Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), dem Staatsinstitut  für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in Abstimmung mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit ein Leitfaden entwickelt, der "Übergang Förderschule-Beruf" ausführlich darstellt. Dieser Leitfaden richtet sich als Arbeitspapier und -grundlage an alle Mitarbeiter
der am Integrationsprozess beteiligten Institutionen und Organisationen.
Er informiert über die bestehenden Kooperationen und Rahmenbedingungen
sowie insbesondere über die fachlich – inhaltliche Ausgestaltung der
jeweiligen Aufgaben.

Anbei zum Download der Leitfaden.

Leitfaden Übergang-Förderschule Beruf, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Weiteres Material, Vorlagen und Formblätter
Möglichkeit zum Download unter:
www.isb.bayern.de->Förderschulen->Projekte->Übergang Förderschule-Beruf
und
www.zbfs.bayern.de->Integrationsamt->Integrationsfachdienste->Übergang Förderschule-
Beruf